Ich denke sucht man die beste Kamera der Welt, dann bliebe eine ähnliche Antwort wie die auf die „endgültige Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“ aus „Per Anhalter durch die Galaxie“: 42!
Eine andere mögliche, greifbare Antwort ist wohl, dass die beste Kamera der Welt die ist, die man dabei hat. In meinem Fall ist es im Mangel immer das iPhone, das dabei ist.
Die Fotoapp zum Glück
Ich nutze seit einiger Zeit die Leica Lux App, die aus dem iPhone natürlich keine Leica macht, Sensor und Optik bleiben die gleichen. Was mir dort sehr gut gefällt ist die Bedienung, bei der der Bildausschnitt (je nach Modus) nicht in den Zoomstufen verändert wird, sondern es lassen sich entsprechende Leica Objektive wählen, die dann simuliert werden:
- Summilux-M 28 F1.4 Asph.
- Summilux-M 35 F1.4 Asph.
- Noctilux-M 50 F1.2 Asph.
- Leica I Model A (1925) 50 F3.5
- Noctilux-M 75 F1.25 Asph.
- Summilux-M 90 F1.5 Asph.

Dazu eben die Möglichkeit die Blende zu justieren, wobei das Bokeh eben softwareseitig berechnet wird, was in manchen Situationen etwas unnatürlich wirkt und es keine Blendensterne gibt.
Dazu gibt es fertige Bildprofile, fertige „Leica Looks“, die dann eben in die Bilder reingerechnet werden. Die Bilder beim Export mit einem Rahmen zu versehen ist eine nette Spielerei, die ich unterm Strich wesentlich häufiger nutze, als ich es erwartet hätte.
Was mich an der iPhone Fotografie nervt
Perfekt für Schnappschüsse und durchdachte Fotos im Hochformat, vollkommen in Ordnung im Querformat – aber in den meisten Fällen nur, wenn man das im Stehen macht.
Sobald man seine Position nach unten verlagert, das Gerät nach unten hält und als Spitze der Nervigkeit das iPhone nach oben neigt wird es eine Herausforderung das Gerät in der Waage zu halten und zeitgleich den Auslöser zu finden. Getoppt werden kann dieser Umstand dann nur noch von leichtem Regen oder Feuchtigkeit, bei der ein Wassertropfen auf Display oder Daumen sind und den Auslösebefehl nicht verarbeiten lassen.
Ich habe meinen Retter gefunden!
Retter, ein großes Wort für ein kleines Gadget. Dazu, global Betrachter sehr hochtrabend – egal! Es ist ein Stimmungsaufheller 🙂
2021 wurde auf Kickstarter ein Zusatzgriff für das iPhone gelauncht. Der Griff beherbergt zwei Knöpfe, ein Auswahlrad sowie einen Hebel und wird über eine kleine Knopfzelle mit Strom versorgt. An das iPhone angebracht verbessert sich die Griffigkeit und die Bedienbarkeit des Ganzen.

Der Grip unterstützt die Leica Lux App, bzw. andersherum und seit 2024 gehört Fjorden selbst zu Leica – die vor kurzem auch noch einen einen Grip auf den Markt gebracht haben. (rein optisch erinnert der Fjorden eher an eine GRIII, der Leica an eine SL).
Die Befestigung des Fjorden Grips erfolgt mittels einer kleinen, runden Klemme, hierzu gibt es, je nach gekauftem Paket verschiedene Möglichkeiten:
- eine selbstklebende Platte, die auf das iPhone oder die bestehende Hülle geklebt wird
- eine für das entsprechende Modell passende Hülle
- einen Magsafe Adapter, der zeitgleich eine Stativaufnahme enthält
Ich selbst habe das „einfachste“ und wahrscheinlich optisch „unansehnlichste“ Paket, sprich die selbstklebende Platte. Der Hintergrund dafür ist sehr simpel: Meine Otterbox hat mein iPhone schon in der ein oder anderen „brenzligen“ Situation gerettet und ich bin zufrieden mit ihr. Die passende Fjorden Hülle wirkt (rein optisch) weniger stabil als die Otterbox, weshalb ich die Ästhetik untergeordnet habe.
Der Grip ist schnell und stabil befestigt, ein langer Druck auf den Auslöser schaltet ihn ein und er ist binnen kürzester Zeit mit der Leica Lux App verbunden. Beim ersten Einrichten hat die Lux App den Grip sofort erkannt und gefragt, ob ein Paarungswille besteht.
Bedienung wie an einer „echten“ Kamera
Ich habe mir viel erhofft und wurde schlichtweg nicht enttäuscht, daher kurz zu den Funktionen.
Der Hebel, ich nenne ihn einfach mal „Zoomhebel“, wechselt im Aperture Modus der Leica Lux App zwischen den einzelnen Objektiven und somit zwischen den Brennweiten, im Photo Modus lassen sich die Zoomstufen (Selfiekamera, 0,5x, 1x, 3x) anpassen.
Das Einstellrädchen verstellt die gerade angewählte Einstellung, so lässt sich die Filmsimulation per Drehbewegung anpassen oder, was sicherlich der praktischere Anwendungszweck ist, die Blendeneinstellung. Im Photomodus ist anstelle der Blendeneinstellung eine Belichtungskorrektur auswählbar.
Der zweite Knopf dient dem Wechsel zwischen den Modi, Photo oder Aperture.
Nach einem kleinen, gedanklichen Trommelwirbel kommen wir zum Auslöser. Wie von jeder Kamera mit Autofokus gekannt gibt es zunächst die Fokussierung, dann beim kompletten durchdrücken des Auslösers das Auslösen.
An der Stelle ein kleines Manko, das mich in der Bedienung ein wenig stört, aber der Tatsache geschuldet ist, dass es trotz aller Anbauteile ein Smartphone bleibt: Der Fokuspunkt lässt sich nur per Touch an die gewünschte Stelle setzen. In Situationen, wie der Eingangs geschilderten finde ich dies in Teilen recht nervig. Auf der anderen Seite sei gesagt, wen dieser Umstand zu stark nervt, der soll halt eine richtige Kamera mitnehmen. Den Spiegel halte ich mir auch selbst vor 😉
Wenn ich das iPhone Wechsel brauche ich ja alles neu!
Vielleicht überspitzt transkribiert – Grüße gehen raus an Bremer und Groth – aber diese Sorge ist wohl weitestgehend zu nehmen!
Warum nur weitestgehend und nicht vollständig? Ganz einfach, weil man natürlich nie sagen kann, ob es irgendwann softwareseitige KO Kriterien gibt, die die Unterstützung versagen.

Auf der Hardwareseite gibt es eben die Möglichkeit mit der Adapterplatte zu arbeiten, die man auf die bestehende Hülle klebt, die passende Hülle zu kaufen oder, sofern die eigene Hülle das unterstützt, auf die Magsafe Funktion zurückzugreifen.
Warum Fjorden und nicht Leica?
Eigentlich ist beides Leica, aber spezifischer kann man natürlich die Frage stellen, warum ich mich für den Fjorden Grip anstelle des Leica Lux Grips entschieden habe – eine Frage auf die ich für mich zwei Anworten habe:
- der Preis
Der Fjorden Grip liegt in der Basisausstattung bei rund 160€, der Leica Lux Grip bei 300€. Fairerweise muss man sagen, dass in den 300€, bei Registrierung 12 Gratis Monate der Leica Lux App inkludiert sind, die einen Gegenwert von rund 80€ haben, was die Differenz schmälert. Dazu die Tatsache, dass der Leica Lux Grip direkt Magsafe kompatibel ist, wofür es beim Fjorden Grip ein höhenwertiges und damit teureres Paket verlangt.
Wenn man den Preis nicht wie Äpfel und Birnen vergleichen möchte, dann liegen beide wohl recht gleich auf. Sofern man bspw. die Magsafe Fähigkeit nicht benötigt, dann kann man anfangen den Preis in seine Entscheidung einfließen zu lassen. - die Bauform
Vollkommen subjektiv – ich mag die kleine, kompakte Bauform, die dennoch ausreichend ist, um die Kamera, sorry iPhone, vernünftig in der Hand zu halten und die Kameramöglichkeiten vernünftig zu bedienen.
Und was ist mit der tollen Tasche?

Ich muss zugeben, recht neidisch schaute ich auf die passende Ledertasche für den Leica Lux Grip. Mit 55€ auch kein Schnäppchen, aber ein wirklich schönes Goodie, um den Griff sicher zu transportieren.
Aber auch hier gibt es eine Lösung 🙂
Tanja und Paddy Ludolph vertreiben in ihrem Shop eine Akkutasche aus Leder, mit der Möglichkeit 2 SD Karten aufzunehmen. Nun, der Fjorden Grip passt ebenfalls perfekt hinein 😉
Strich drunter
Wer immer mal wieder mit den iPhone fotografiert und es auch teilweise als Kameraersatz verwendet und dann noch andere Kameraapps wählt, der kann sicherlich mal über die Verwendung eines solchen Grips nachdenken. Welche Apps genau unterstützt werden das müsst ihr bitte selbst in Erfahrung bringen, mit Sicherheit ist es die Leica Lux App.
Die Software kann die Hardware nicht austauschen, die Sensorgröße mit allem Für und Wider bleibt dieselbe, die Limitierungen von Bokeh und Blendensternen ebenfalls. Hier kann und wird nachgeholfen, aber (noch?) lassen sich Unterschiede nicht immer verleugnen. Nichts destotrotz bleibt die Kamera einfach nur das Werkzeug und ich denke, dass sich mit dem richtigen Auge, der richtigen Emotion auch mit dem Smartphone echte Topshots erzeugen.
PS: beide Griffe lassen sich auch abklappen und dienen dann als Ständer für das Smartphone, falls mal benötigt.
Ich freue mich über eure Meinungen – wäre sowas etwas für euch oder ist die Kamera eh immer dabei?
5 comments
Comment by Matthias
Matthias 14. März 2025 at 18:17
Moin Stefan,
ich finde es echt spannend zu lesen, wie ein „einfaches“ Gadget deine anfängliche „Abneigung“ der Smartphone-Fotografie geändert hat.Dass die ganzen Handys heute eine so gute Bildqualität haben, ist ja wohl klar.Bei mir ist es immer die Haptik, die mich zur „richtigen“ Kamera greifen lässt: Ich brauch das Gefühl, dass der Kamerabody richtig in der Hand liegt, dass sich die Rädchen und Knöpfe richtig drehen und drücken lassen und dass ich mich an dem Objektiv festhalten kann. Das kann mir ein Smartphone (egal ob mit oder ohne Griff) nicht bieten. Es fühlt sich an wie ein nasses Stück Seife in der Hand.
Aber das Gute ist ja, dass es egal ist, mit welcher Kamera man fotografiert. 😉
Comment by Stefan
Stefan 14. März 2025 at 20:11
Moin Matthias,
Danke! 🙂
Ich bin vollkommen bei dir! Das Smartphone wird auch bei mir nie eine vollwertige Kamera ersetzen können. Überall wo ich keine Kamera mitnehmen kann oder -genommen habe ist das in manchen Situationen die beste Alternative.
Man kommt ja nicht aus seiner Haut, sieht man was, möchte man es ja irgendwie auch fotografieren 😅
Comment by Jürgen Libertus
Jürgen Libertus 14. März 2025 at 20:06
Hallo Stefan,
Ich fotografiere auch nur selten mit dem Telefon, habe das Ding sowieso schon zuviel in der Hand. Ändert aber nicht daran, das ich deinen Artikel echt interessant fand.
Comment by Stefan
Stefan 14. März 2025 at 20:31
Danke Dir, Jürgen!
Comment by Michael Koopmann
Michael Koopmann 17. März 2025 at 20:38
Danke dir für den Beitrag. Klingt spannend das Teil. Musst du zum nächsten Treffen mal mitbringen.
Ich denke das Problem ist für mich das ich dann halt dieses Teil dabei haben muss. Für die Hosentsche ist es vermutlich zu groß. Also muss eine Tasche mit und dann kann ich gleich die Fototasche einpacken 🤣
Naja ich muss glaub ich eh erstmal mein iPhone Update.